Ausstellungseröffnung: Feinste Textilarbeiten aus der Schatztruhe

Ausstellungseröffnung: Feinste Textilarbeiten aus der Schatztruhe

Aus dem Lebenswerk von Erdmute Dock

Am 23. August fand die Eröffnung der sehenswerten Sammlung „Feine Textilarbeiten aus der Schatztruhe“ statt. Die Exponate sind allesamt von Frau Erdmute Dock gefertigt und Teil ihres Lebenswerkes. Wer bei Stickerei nur an Kreuzstich, Plattstich oder Hardanger denkt, war sicher begeistert, diese kunstvoll gefertigten Miniaturen zu sehen, die Stickerei auf allerhöchstem Niveau zeigt. Die weit über 80 Jahre alte Dame hatte es sich nicht nehmen lassen, begleitet von ihrer Tochter aus Braunschweig anzureisen, um bei der Ausstellungseröffnung anwesend zu sein.

Marianne Stang vom Klöppelverband und Mitglied im Heimatverein gab den Besuchern zur Ausstellungseröffnung eine Übersicht über die verwendeten Techniken und Besonderheiten der Arbeiten.

Frau Docks Tochter Wilke Horn war es auch, die in bewegenden Worten von den Arbeiten erzählte, die Frau Dock als „Tiere im Zoo“ bezeichnete. Bei den Tieren handelt es sich jedoch nicht um Katzen oder Hunde, sondern um ganz besondere Tiere, die Frau Dock mit Stoff und Garn zum Leben erweckte.

Wilke Horn, Anni Schmitz, Ingeborg Theissen, Erdmute Dock, Marianne Stang

Wilke Horn, Anni Schmitz, Ingeborg Theissen, Erdmute Dock, Marianne Stang

Dem Besucher der Ausstellung, die noch bis zur Winterpause Anfang November 2015 zu sehen ist, begegnen mythische Gestalten wie Greif, Einhorn, Drache, aber auch Hunde und Elche. Als Vorlage dienten Frau Dock Impressionen von Reisen, wie die bemalte Holzdecke von St. Martin in Zillis/Graubünden, Teufelsgestalten aus Kirchen, der Westgiebel des Domes von Pisa, aber auch der Hund Cave Canem auf dem berühmten Mosaik in Pompeij.

Nach ihrer Pensionierung widmete sich die studierte Kunsthistorikerin und spätere Gewerbelehrerin ihrem Hobby, der feinen Stickerei. All Ihre Stickarbeiten führte sie auf Leinen, Baumwolle und Seide aus. Diese kleinen Kunstwerke nennt sie selber lapidar „Versuche“, oder „Merklappen“ die holländische Bezeichnung für Mustertuch. Welch eine Untertreibung, wenn man die aufwendigen Arbeiten sieht, die nicht einfach nur in hellen Beigetönen und allen Abstufungen von weißem Garn gearbeitet sind, sondern auch mit Perlen, Pailletten und anderen Materialien verziert sind. Die kleinen Kunstwerke sind klein, manche nur 10, 12 cm groß. Gearbeitet werden musste daher mit einer Lupe und Wilke Horn ließ nicht unerwähnt, dass ihre Mutter auf einem Auge blind ist.

Nicht nur die Motive und das Material sind bemerkenswert, sondern auch die Technik, in der Frau Dock arbeitete. Kreuzstich findet man bei diesen Kostbarkeiten nicht, dafür so ausgefallene Sticktechniken wie den nur Experten bekannte Mountmellick-Stich, der in Irland des 19. Jahrhunderts entstand oder die niederländische Zaanlandstickerei, die kaum noch jemand beherrscht. Auch allerfeinste selbstgefertigte Spitzen stammen ihrer Hand und sind in der Ausstellung zu bewundern.

Alle Besucher der Ausstellungseröffnung waren nicht nur von den hinreißenden Arbeiten begeistert, sondern auch von der Persönlichkeit der liebenswürdigen alten Dame, die alle mit ihrer freundlichen Art für sich einnahm. Über ihre Arbeiten sagte sie sehr bescheiden: „Wichtig ist mir, Kopf, Herz und Hand in gleicher Weise an meiner Arbeit zu beteiligen: den Kopf für die Technik, das Herz für den Entwurf und die Hand für die Ausführung.“